Das Wichtigste in Kürze
- Die meisten Fragen im Vorstellungsgespräch prüfen die Anforderungen aus der Stellenanzeige, deshalb ist die Anzeige deine wichtigste Vorbereitung.
- Eine gute Antwort besteht aus einer Aussage und einem kurzen, echten Beispiel aus deinem Alltag.
- Mit der STAR-Methode (Situation, Aufgabe, Handlung, Ergebnis) erzählst du ein Beispiel in weniger als einer Minute.
- Nach Schwangerschaft, Religion, Partei oder Kinderwunsch darf in der Regel nicht gefragt werden, und bei solchen unzulässigen Fragen musst du nicht wahrheitsgemäß antworten.
- Zwei bis drei eigene Rückfragen am Ende zeigen echtes Interesse und helfen dir selbst bei der Entscheidung.
Inhalt
- Wie läuft ein Vorstellungsgespräch ab?
- Was Studien und Zahlen zeigen
- Wie antworte ich mit echten Beispielen? Die STAR-Methode
- Die 22 häufigsten Fragen und gute Antworten
- Welche Fragen sind im Vorstellungsgespräch nicht erlaubt?
- Welche Fragen kann ich selbst stellen?
- Wie bereite ich mich am Vortag vor? Die Checkliste
- Was ist beim Online-Vorstellungsgespräch anders?
- Welche Fragen kommen in welcher Branche?
- Was sind die häufigsten Fehler im Gespräch?
- Was mache ich direkt nach dem Gespräch?
- Häufige Fragen
- Quellen
Wie läuft ein Vorstellungsgespräch ab?
Die meisten Gespräche folgen einem ähnlichen Muster. Wenn du die Phasen kennst, weißt du immer, wo du gerade bist, und kannst dich auf das Wesentliche konzentrieren. Ein Gespräch dauert je nach Stelle oft zwischen einer halben und einer ganzen Stunde. Bei Azubi-Stellen und Minijobs ist es manchmal kürzer, bei Bürostellen mit mehreren Gesprächspartnern länger.
- Begrüßung und Smalltalk: Anreise, Wetter, ein Getränk. Hier geht es um den ersten Eindruck. Freundlich sein, Blickkontakt, kurz antworten.
- Vorstellung des Unternehmens: Oft erzählt die Gegenseite zuerst etwas über den Betrieb und die Stelle. Hör aufmerksam zu, du kannst später darauf zurückkommen.
- Selbstvorstellung: Die Bitte, etwas über dich zu erzählen. Das ist deine Chance, die Richtung vorzugeben.
- Fragen zu Lebenslauf und Erfahrung: Warum dieser Wechsel, was hast du dort genau gemacht, warum diese Lücke.
- Fragen zu Situationen und Verhalten: Konflikte, Stress, Fehler, Teamarbeit. Hier zählen Beispiele.
- Rahmenbedingungen: Arbeitszeiten, Schichten, Starttermin, Gehalt, Kündigungsfrist.
- Deine Fragen: Fast immer kommt am Ende die Frage, ob du noch etwas wissen möchtest.
- Abschluss: Wie es weitergeht, bis wann du eine Rückmeldung bekommst, Verabschiedung.
Was Studien und Zahlen zeigen
- Eine große Neuauswertung der Forschung zur Personalauswahl (Sackett und andere, Journal of Applied Psychology 2022) sieht strukturierte Interviews mit einer mittleren Validität von rund 0,42 unter den treffsichersten Auswahlverfahren, noch vor allgemeinen Intelligenztests mit rund 0,31.Sackett, Zhang, Berry, Lievens: Revisiting meta-analytic estimates of validity in personnel selection, Journal of Applied Psychology (2022)
- Strukturiert heißt: Alle bekommen dieselben Fragen, oft zu konkreten Situationen aus der Vergangenheit. Genau deshalb lohnt es sich, zwei bis drei Beispiele mit Situation, Handlung und Ergebnis vorzubereiten.Sackett, Zhang, Berry, Lievens: Revisiting meta-analytic estimates of validity in personnel selection, Journal of Applied Psychology (2022)
- Laut IAB-Stellenerhebung vergingen 2025 im Schnitt 86 Tage vom Beginn der Personalsuche bis zum Arbeitsbeginn. Zwischen Gespräch und Zusage kann also Zeit vergehen, ohne dass etwas schiefläuft.IAB-Forum, IAB-Monitor Arbeitskräftebedarf (2026)
Wie antworte ich mit echten Beispielen? Die STAR-Methode
Viele Antworten im Gespräch klingen gleich: „Ich bin teamfähig und belastbar.“ Das sagt jeder, und niemand kann es prüfen. Was hängen bleibt, ist ein kurzes Beispiel aus deinem Alltag. Dafür gibt es die STAR-Methode. Sie hilft dir, ein Beispiel in wenigen Sätzen zu erzählen, ohne abzuschweifen.
STAR steht für Situation, Task (Aufgabe), Action (Handlung) und Result (Ergebnis). Du beschreibst kurz die Lage, sagst, was deine Aufgabe war, erzählst, was du konkret getan hast, und schließt mit dem Ergebnis. Der wichtigste Teil ist die Handlung, denn da zeigst du, wie du arbeitest.
| Baustein | Frage dahinter | Beispiel aus dem Einzelhandel |
|---|---|---|
| Situation | Was war los? | Samstag vor Weihnachten, zwei Kolleginnen krank, lange Schlange an der Kasse. |
| Aufgabe | Was war deine Rolle? | Ich war für die Kasse und die Warenannahme zuständig. |
| Handlung | Was hast du getan? | Ich habe die Filialleitung gebeten, eine zweite Kasse zu öffnen, und die Warenannahme auf den Nachmittag verschoben. |
| Ergebnis | Was kam dabei heraus? | Die Schlange war nach kurzer Zeit abgebaut, und die Ware war trotzdem vor Ladenschluss eingeräumt. |
Die 22 häufigsten Fragen und gute Antworten
Die folgenden Fragen kommen in fast jedem Gespräch vor, egal ob in der Pflege, im Lager oder im Büro. Die Beispielantworten sind Vorschläge. Übernimm nicht den Wortlaut, sondern die Bauweise, und setz deine eigenen Erfahrungen ein. Auswendig gelernte Sätze merkt man sofort.
1. Erzählen Sie etwas über sich.
Das ist keine Einladung, deinen Lebenslauf von der Grundschule an aufzusagen. Die Frage heißt eigentlich: Warum passt du zu dieser Stelle? Baue deine Antwort in drei Teilen: Was machst du jetzt, was hast du vorher gemacht, und warum bist du heute hier. Ein bis zwei Minuten reichen.
Ich arbeite seit drei Jahren als Pflegehelferin in einem Seniorenheim mit rund 80 Bewohnern. Dort übernehme ich die Grundpflege, begleite Bewohner bei den Mahlzeiten und dokumentiere alles im Pflegesystem. Vorher war ich im Einzelhandel, daher kommt meine Ruhe im Umgang mit vielen Menschen gleichzeitig. Jetzt möchte ich in die ambulante Pflege wechseln, weil ich gern selbstständiger arbeite, und Ihr Dienst hat einen sehr guten Ruf in der Region.
2. Warum wollen Sie bei uns arbeiten?
Hier fällt auf, wer sich vorbereitet hat. Nenne einen konkreten Grund, der mit dem Betrieb zu tun hat, nicht nur mit dir. Das kann die Nähe zum Wohnort sein, aber besser ist etwas, das du auf der Website, in der Anzeige oder von Bekannten erfahren hast.
Beispiel Lager: „Ich habe gesehen, dass Sie mit Handscannern und festen Schichtplänen arbeiten, die zwei Wochen im Voraus stehen. Das passt gut zu mir, weil ich zuverlässig planen möchte. Außerdem kenne ich jemanden, der bei Ihnen arbeitet und sagt, dass das Team gut zusammenhält.“
3. Warum möchten Sie Ihre jetzige Stelle verlassen?
Sprich nie schlecht über deinen alten Arbeitgeber, auch wenn es Gründe gäbe. Formuliere nach vorn: Was suchst du, das du dort nicht bekommst? Mehr Verantwortung, andere Arbeitszeiten, kürzerer Weg, eine Weiterbildung.
Beispiel Büro: „Ich habe in meiner jetzigen Stelle viel gelernt, vor allem in der Buchhaltung. Die Stelle ist aber sehr eng begrenzt, und ich möchte mehr im Kundenkontakt arbeiten. Genau das bietet Ihre Stelle im Vertriebsinnendienst.“
4. Was sind Ihre Stärken?
Nenne zwei bis drei Stärken, die zur Anzeige passen, und belege jede mit einem Beispiel. Eine Stärke ohne Beleg ist nur eine Behauptung. Wie du das im Detail machst, steht im Ratgeber Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch.
Beispiel Kita: „Ich bleibe ruhig, wenn es laut wird. In meiner jetzigen Gruppe haben wir 22 Kinder, und wenn beim Anziehen alle gleichzeitig etwas wollen, gehe ich auf Augenhöhe, spreche leise und nehme mir ein Kind nach dem anderen vor. Die Eltern sagen mir oft, dass ihr Kind gern zu mir kommt.“
5. Was sind Ihre Schwächen?
Nimm eine echte, aber nicht stellenentscheidende Schwäche und sag, was du dagegen tust. „Ich bin Perfektionist“ glaubt niemand. Eine Pflegekraft sollte nicht sagen, dass sie ungenau dokumentiert, ein Lagermitarbeiter nicht, dass er unpünktlich ist.
Beispiel Einzelhandel: „Ich habe früher Probleme gehabt, bei Reklamationen Nein zu sagen, und habe Kunden Dinge versprochen, die ich nicht entscheiden durfte. Inzwischen sage ich ehrlich, was ich klären muss, und rufe zurück. Das hat mir auch Ärger mit der Filialleitung erspart.“
6. Erzählen Sie von einem Konflikt und wie Sie ihn gelöst haben.
Hier soll ein STAR-Beispiel kommen. Wähle einen Konflikt, der sachlich lösbar war, und zeig, dass du das Gespräch gesucht hast statt zu schweigen oder zu eskalieren.
Beispiel Handwerk: „Ein Kollege und ich hatten unterschiedliche Vorstellungen, in welcher Reihenfolge wir auf einer Baustelle arbeiten. Das hat jeden Morgen zu Diskussionen geführt. Ich habe vorgeschlagen, dass wir am Vortag zehn Minuten den nächsten Tag besprechen. Seitdem läuft es, und wir sind schneller fertig geworden.“
7. Wie gehen Sie mit Stress um?
Niemand erwartet, dass du nie gestresst bist. Die Frage prüft, ob du in vollen Situationen handlungsfähig bleibst. Beschreibe eine echte Stresslage und was du konkret tust: Prioritäten setzen, um Hilfe bitten, kurz durchatmen, Listen schreiben.
Beispiel Pflege: „Im Frühdienst ist es oft eng, wenn gleichzeitig Klingeln, Frühstück und Arztvisite anstehen. Ich kläre dann zuerst, was medizinisch dringend ist, sage Bewohnern ehrlich, dass ich in zehn Minuten komme, und stimme mich kurz mit der Kollegin ab, wer was übernimmt.“
8. Erzählen Sie von einem Fehler, den Sie gemacht haben.
Wer sagt, er habe noch nie einen Fehler gemacht, wirkt unehrlich. Nenne einen echten, überschaubaren Fehler, zeig, dass du ihn selbst angesprochen hast, und was du daraus gelernt hast.
Beispiel Lager: „Ich habe einmal eine Palette falsch verbucht, weil ich den Scanner nicht neu gestartet hatte. Beim Kommissionieren fehlte dann Ware. Ich habe das sofort dem Schichtleiter gemeldet, wir haben den Fehler gefunden, und seitdem prüfe ich nach jeder Buchung die Anzeige auf dem Scanner.“
9. Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die Frage prüft, ob du bleiben willst und ob du dich weiterentwickeln möchtest. Du musst keinen Karriereplan haben. Zeig, dass du in dem Bereich wachsen willst.
Beispiel Azubi: „Ich möchte meine Ausbildung gut abschließen und danach im Betrieb bleiben. Wenn es passt, würde ich später gern eine Weiterbildung machen, zum Beispiel zum Fachwirt. Aber erst mal will ich den Beruf richtig lernen.“
10. Was ist Ihre Gehaltsvorstellung?
Nenne eine Zahl oder eine enge Spanne als Jahresbrutto oder, wenn in der Branche üblich, als Monatsbrutto. Recherchiere vorher, was realistisch ist, etwa im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit oder im Tarifvertrag. Wenn tarifliche Bezahlung gilt, kannst du auch nach der Eingruppierung fragen. Alles dazu steht im Ratgeber zur Gehaltsvorstellung.
Beispiel Büro: „Ich habe mich an vergleichbaren Stellen in der Region orientiert und stelle mir ein Jahresgehalt zwischen [Betrag] und [Betrag] Euro brutto vor. Das hängt für mich auch davon ab, wie die Zusatzleistungen aussehen.“
11. Warum sollten wir gerade Sie einstellen?
Fasse in drei Sätzen zusammen, welche Anforderungen der Stelle du erfüllst und womit. Nimm die zwei wichtigsten Punkte aus der Anzeige und verbinde sie mit deinen Beispielen.
Beispiel Verkauf: „Sie suchen jemanden mit Kassenerfahrung, der auch samstags flexibel ist. Ich habe drei Jahre an der Kasse gearbeitet, habe dort auch den Kassenabschluss gemacht und kann samstags immer. Und ich berate gern, das haben Sie vielleicht an meinem letzten Zeugnis gesehen.“
12. Was wissen Sie über uns?
Zwei bis drei Fakten reichen: was der Betrieb macht, wie groß er ungefähr ist, was dir aufgefallen ist. Schau vorher auf die Website, in die Stellenanzeige und in aktuelle Meldungen über den Betrieb.
13. Wie arbeiten Sie im Team?
Statt „Ich bin teamfähig“ erzähl, wie du konkret mit anderen arbeitest: Übergaben, Absprachen, Einspringen.
Beispiel Pflege: „Bei der Übergabe nehme ich mir Zeit und schreibe mir die wichtigen Punkte auf. Wenn eine Kollegin ausfällt, springe ich ein, wenn es irgendwie geht, und erwarte das umgekehrt auch.“
14. Wie gehen Sie mit Kritik um?
Zeig, dass du Kritik annimmst und etwas damit anfängst. Ein kurzes Beispiel, wie du nach einer Rückmeldung etwas verändert hast, wirkt am besten.
Beispiel Büro: „Meine Vorgesetzte hat mir gesagt, dass meine Mails an Kunden zu lang sind. Ich habe mir angewöhnt, das Wichtigste in den ersten Satz zu schreiben. Die Rückfragen sind seitdem deutlich weniger geworden.“
15. Was motiviert Sie?
Nenne etwas, das zur Stelle passt. Im Handel vielleicht zufriedene Kunden, in der Logistik ein fertiger Auftrag am Schichtende, in der Kita die Entwicklung eines Kindes. Ein konkreter Moment ist besser als ein allgemeiner Satz.
16. Warum haben Sie eine Lücke im Lebenslauf?
Ehrlich und kurz erklären, dann zurück zur Stelle. Krankheit, Pflege von Angehörigen, Elternzeit, Jobsuche: Das alles ist normal. Details zu Diagnosen musst du nicht nennen. Mehr dazu im Ratgeber zur Lücke im Lebenslauf.
Beispiel: „Ich habe ein Jahr meine Mutter gepflegt. Das ist jetzt geregelt, sie ist in einer Einrichtung gut versorgt, und ich kann wieder voll arbeiten.“
17. Wie würden Ihre Kollegen Sie beschreiben?
Nenne zwei Eigenschaften und woher du das weißt: aus Gesprächen, aus einem Zeugnis, aus einer Situation. „Meine Kolleginnen fragen mich oft, wenn es um den Dienstplan geht, weil ich den Überblick behalte“ ist ein guter Beleg.
18. Können Sie auch im Schichtdienst oder am Wochenende arbeiten?
Sei ehrlich. Wenn du Einschränkungen hast, etwa wegen Kinderbetreuung, sag sie jetzt und nenne, was geht. Eine falsche Zusage führt später nur zu Ärger.
Beispiel: „Früh- und Spätdienst sind kein Problem. Nachtdienst kann ich wegen meiner Tochter nur zwei Mal im Monat, wenn ich das eine Woche vorher weiß.“
19. Wann könnten Sie anfangen?
Kenne deine Kündigungsfrist, sie steht im Arbeitsvertrag. Wenn du gerade ohne Job bist, kannst du einfach sagen, dass du kurzfristig verfügbar bist.
20. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Eine kurze, ehrliche Antwort reicht. Wenn ein Hobby etwas über dich zeigt, etwa Vereinsarbeit, Trainerin im Sportverein oder Ehrenamt bei der Feuerwehr, nenne es gern. Alles Private darüber hinaus darfst du für dich behalten.
21. Was war Ihr größter Erfolg?
Nimm etwas aus dem Berufsleben oder der Ausbildung, das du selbst bewirkt hast, und erzähl es nach STAR.
Beispiel Kfz-Werkstatt: „Ein Kunde kam zum dritten Mal mit dem gleichen Fehler. Ich habe mir die Zeit genommen, systematisch alle Steckverbindungen zu prüfen, und einen korrodierten Stecker gefunden. Der Kunde ist seitdem Stammkunde.“
22. Haben Sie noch Fragen an uns?
Sag nie einfach Nein. Zwei bis drei Fragen zeigen Interesse und helfen dir, die Stelle einzuschätzen. Eine Liste mit Vorschlägen findest du weiter unten.
Welche Fragen sind im Vorstellungsgespräch nicht erlaubt?
Ein Arbeitgeber darf nur fragen, was für die Stelle wirklich wichtig ist. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Benachteiligung wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität. Daraus und aus der Rechtsprechung der Arbeitsgerichte ergibt sich, dass viele private Fragen im Gespräch nicht zulässig sind.
| Thema | In der Regel | Wichtige Ausnahme |
|---|---|---|
| Schwangerschaft, Kinderwunsch, Familienplanung | unzulässig | keine, auch nicht bei befristeten Stellen |
| Religion, Weltanschauung | unzulässig | kann bei kirchlichen Arbeitgebern je nach Stelle zulässig sein |
| Partei, Gewerkschaft | unzulässig | bei Parteien oder Gewerkschaften selbst als Arbeitgeber |
| sexuelle Orientierung, Heiratspläne | unzulässig | keine |
| Krankheiten allgemein | unzulässig | zulässig, wenn die Krankheit die Arbeit in dieser Stelle konkret beeinträchtigt |
| Vorstrafen | nur wenn für die Stelle relevant | zum Beispiel Vermögensdelikte bei Kassenjobs, erweitertes Führungszeugnis bei Arbeit mit Kindern |
| Vermögen, Schulden | unzulässig | bei Vertrauensstellen mit Zugriff auf Geld |
Darf ich bei unzulässigen Fragen lügen?
Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts gilt: Auf eine unzulässige Frage musst du nicht wahrheitsgemäß antworten. Man spricht vom Recht zur Lüge. Stellt sich die Wahrheit später heraus, darf der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag deswegen in der Regel nicht anfechten. Bei zulässigen Fragen gilt das nicht: Wer da lügt, riskiert, dass der Vertrag später angefochten wird.
In der Praxis ist eine Lüge aber nicht immer die beste Lösung. Du kannst auch freundlich ausweichen oder nachfragen, was die Frage mit der Stelle zu tun hat. Ob die Frage im Einzelfall zulässig ist, hängt von der Stelle ab. Wenn du unsicher bist oder Nachteile befürchtest, hilft eine Beratung, zum Beispiel bei einer Gewerkschaft, einer Antidiskriminierungsstelle oder einem Anwalt für Arbeitsrecht.
- Ausweichen: „Das ist privat. Ich kann Ihnen aber sagen, dass ich die Arbeitszeiten zuverlässig einhalten kann.“
- Nachfragen: „Darf ich fragen, was das mit der Stelle zu tun hat?“
- Umlenken: „Meine Familienplanung spielt für meine Arbeit keine Rolle. Was mir wichtig ist: Ich möchte langfristig in der Pflege bleiben.“
Welche Fragen kann ich selbst stellen?
Deine Fragen am Ende sind kein Pflichtteil, sondern deine Gelegenheit, herauszufinden, ob die Stelle wirklich zu dir passt. Stell nichts, was schon beantwortet wurde oder auf der Website steht. Und frag nicht als Erstes nach Urlaub, sondern nach der Arbeit selbst.
- Wie sieht ein typischer Arbeitstag in dieser Stelle aus?
- Wie ist die Einarbeitung geregelt, und gibt es eine feste Ansprechperson?
- Wie groß ist das Team, und mit wem arbeite ich am meisten zusammen?
- Woran merken Sie nach einem halben Jahr, dass die Besetzung gut war?
- Warum ist die Stelle frei? Ist sie neu oder wurde sie nachbesetzt?
- Wie werden Dienstpläne erstellt, und wie weit im Voraus stehen sie fest?
- Welche Weiterbildungen sind in dieser Stelle möglich?
- Was schätzen Sie selbst an der Arbeit hier?
- Wie geht es nach dem Gespräch weiter, und bis wann höre ich von Ihnen?
Stellenmappe leitet aus deiner Stellenanzeige die wahrscheinlichen Fragen ab und legt passende Beispiele aus deinen Angaben daneben. Die Vorschau ist kostenlos, ein Abo gibt es nicht.
Gespräch vorbereitenWie bereite ich mich am Vortag vor? Die Checkliste
Die meiste Unsicherheit am Gesprächstag kommt von Kleinigkeiten: Wo muss ich hin, wie heißt die Ansprechpartnerin, wo ist der Parkplatz. Erledige das am Vortag, dann hast du den Kopf frei für das Gespräch.
- Stellenanzeige ausdrucken oder auf dem Handy speichern und die drei wichtigsten Anforderungen markieren.
- Zu jeder Anforderung ein kurzes Beispiel aus deinem Alltag notieren.
- Die eigene Bewerbung noch einmal lesen: Was hast du im Anschreiben geschrieben?
- Name und Funktion der Gesprächspartner aus der Einladung heraussuchen.
- Adresse, Anfahrt und Parkmöglichkeit prüfen. Plane Puffer ein und sei etwa zehn Minuten vor dem Termin da.
- Kleidung bereitlegen: eine Stufe schicker als der Arbeitsalltag im Betrieb, sauber und bequem.
- Unterlagen einpacken: Lebenslauf, Zeugnisse, bei Bedarf Führerschein, Nachweise, Stift und Notizblock.
- Telefonnummer des Betriebs im Handy speichern, falls du dich verspätest.
- Drei Rückfragen aufschreiben.
- Gehaltsvorstellung und frühesten Starttermin festlegen.
- Früh schlafen gehen. Wirklich.
Was ist beim Online-Vorstellungsgespräch anders?
Viele Betriebe führen das erste Gespräch per Video oder Telefon. Die Fragen sind dieselben, aber die Technik kommt dazu. Die meisten Pannen lassen sich vorher vermeiden.
- Teste die Software am Vortag mit dem Link aus der Einladung. Manche Programme brauchen eine Installation.
- Sorge für stabiles Internet. Am Laptop hilft ein Kabel, am Handy WLAN statt mobiler Daten.
- Stell die Kamera auf Augenhöhe, zum Beispiel mit ein paar Büchern unter dem Laptop. Das Handy nie in der Hand halten.
- Licht von vorn, nicht vom Fenster im Rücken.
- Ein ruhiger Raum und ein neutraler Hintergrund reichen völlig.
- Schau beim Sprechen in die Kamera, nicht auf dein eigenes Bild.
- Leg einen Zettel mit deinen Beispielen neben den Bildschirm, aber lies nicht ab.
- Halte die Telefonnummer bereit, falls die Verbindung abbricht.
Welche Fragen kommen in welcher Branche?
Neben den Klassikern gibt es in jedem Beruf Fragen, die typisch sind. Sie prüfen, ob du die Anforderungen des Alltags kennst. Schau dir auch die Seiten zu einzelnen Berufen an.
Pflege und Gesundheit
Hier zählt Sicherheit und Ehrlichkeit. Bei Fehlern von Kollegen sagst du klar, dass Patientensicherheit vorgeht und du den Fehler sofort ansprichst und meldest. Wer sich für eine Stelle als Pflegefachkraft bewirbt, sollte außerdem Fragen zu Pflegeplanung und Expertenstandards erwarten.
- Wie gehen Sie mit dem Tod von Patienten oder Bewohnern um?
- Wie reagieren Sie, wenn ein Bewohner die Pflege verweigert?
- Mit welcher Dokumentationssoftware haben Sie gearbeitet?
- Was tun Sie, wenn Sie merken, dass eine Kollegin einen Fehler bei der Medikamentengabe gemacht hat?
Einzelhandel und Verkauf
- Ein Kunde beschwert sich lautstark an der Kasse. Was tun Sie?
- Wie sprechen Sie einen Kunden an, der sich unschlüssig umschaut?
- Was machen Sie, wenn gerade kein Kunde da ist?
- Wie reagieren Sie, wenn Sie einen Ladendiebstahl bemerken?
Lager und Logistik
- Haben Sie einen Staplerschein, und mit welchen Geräten haben Sie gearbeitet?
- Wie gehen Sie vor, wenn beim Kommissionieren Ware fehlt?
- Wie halten Sie sich bei körperlicher Arbeit fit?
- Was bedeutet für Sie Arbeitssicherheit im Lager?
Büro und Verwaltung
- Mit welchen Programmen arbeiten Sie, zum Beispiel Excel oder ein Warenwirtschaftssystem?
- Wie organisieren Sie sich, wenn viele Aufgaben gleichzeitig kommen?
- Wie schreiben Sie eine Mail an einen verärgerten Kunden?
- Wie gehen Sie mit vertraulichen Daten um?
Kita und Soziales
- Wie gestalten Sie die Eingewöhnung eines neuen Kindes?
- Wie reagieren Sie, wenn Eltern mit Ihrer Arbeit unzufrieden sind?
- Was tun Sie bei einem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung?
- Welches pädagogische Konzept kennen Sie, und wie setzen Sie es um?
Handwerk und Technik
- Wie gehen Sie bei der Fehlersuche vor?
- Wie verhalten Sie sich beim Kunden zu Hause?
- Welche Maschinen und Werkzeuge beherrschen Sie sicher?
- Wie dokumentieren Sie Ihre Arbeitszeit und das Material?
Ausbildung und Berufseinstieg
Bei Azubis erwartet niemand Berufserfahrung. Beispiele aus Schule, Praktikum, Nebenjob, Verein oder Familie zählen genauso. Mehr Tipps stehen im Ratgeber zur Bewerbung für die Ausbildung.
- Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?
- Was hat Ihnen im Praktikum gefallen, was nicht?
- Welche Schulfächer liegen Ihnen, und warum?
- Wie kommen Sie morgens zum Betrieb?
Was sind die häufigsten Fehler im Gespräch?
- Keine Ahnung vom Betrieb haben. Fünf Minuten auf der Website reichen, um das zu vermeiden.
- Schlecht über den alten Arbeitgeber reden. Das bleibt hängen, und zwar negativ.
- Nur Eigenschaften aufzählen, ohne ein einziges Beispiel.
- Zu lange reden. Nach etwa zwei Minuten am Stück solltest du eine Pause machen.
- Keine eigenen Fragen haben.
- Zu spät kommen, ohne vorher anzurufen.
- Beim Gehalt keine Zahl nennen können.
- Das Handy auf dem Tisch liegen lassen oder nicht auf lautlos stellen.
Was mache ich direkt nach dem Gespräch?
Notiere dir noch am selben Tag, welche Fragen kamen, was gut lief und was du beim nächsten Mal anders machen würdest. Das hilft dir auch bei anderen Gesprächen. Schreib dir außerdem auf, bis wann du eine Rückmeldung bekommen sollst.
Eine kurze Dankes-Mail am selben oder nächsten Tag ist kein Muss, wirkt aber aufmerksam. Wie du sie schreibst und wann du nachfragen solltest, wenn die Frist abgelaufen ist, steht im Ratgeber zum Nachfassen nach dem Vorstellungsgespräch.
Bei Stellenmappe leitet die Gesprächsvorbereitung wahrscheinliche Fragen aus der Stellenanzeige ab und legt passende Beispiele aus deinen eigenen Angaben daneben. So musst du nicht bei null anfangen, wenn die nächste Einladung kommt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Vorstellungsgespräch?
Was ziehe ich zum Vorstellungsgespräch an?
Darf ich im Gespräch einen Zettel benutzen?
Muss ich auf die Frage nach einer Schwangerschaft ehrlich antworten?
Bekomme ich die Fahrtkosten zum Vorstellungsgespräch erstattet?
Was mache ich, wenn ich eine Frage nicht verstehe?
Wie viele Beispiele sollte ich vorbereiten?
Was tun, wenn ich im Gespräch einen Blackout habe?
Quellen
Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 26. September 2026.
Jetzt umsetzen
Stellenmappe leitet aus deiner Stellenanzeige die wahrscheinlichen Fragen ab und legt passende Beispiele aus deinen Angaben daneben. Die Vorschau ist kostenlos, ein Abo gibt es nicht.
Gespräch vorbereiten