Das Wichtigste in Kürze
- Floskeln sind Sätze, die in jedem Anschreiben stehen könnten und deshalb nichts über dich aussagen.
- Eine Eigenschaft überzeugt erst, wenn eine konkrete Situation aus deinem Alltag sie zeigt.
- Der erste Satz sollte deinen stärksten Punkt nennen, nicht wiederholen, dass du dich bewirbst.
- Ein Anschreiben ohne Floskeln ist meist kürzer und trotzdem aussagekräftiger.
Inhalt
- Was genau ist eine Floskel im Anschreiben?
- Was Studien und Zahlen zeigen
- Warum überlesen Personaler Floskeln?
- Die häufigsten Floskeln und was du stattdessen schreibst
- Wie ersetze ich eine Eigenschaft durch einen Beleg?
- Welche Einstiegssätze funktionieren statt Floskeln?
- Welche Schlusssätze klingen natürlich?
- Füllwörter und Satzanfänge, die du streichen kannst
- Wie klingt ein ganzer Absatz ohne Floskeln?
- Vorlage: Anschreiben ohne Floskeln
- Checkliste: Ist dein Anschreiben floskelfrei?
- Und wenn mir einfach keine Beispiele einfallen?
- Wie geht es weiter?
- Häufige Fragen
- Quellen
Was genau ist eine Floskel im Anschreiben?
Eine Floskel ist ein Satz, den du wortgleich in das Anschreiben eines anderen Menschen kopieren könntest, ohne dass es auffällt. „Ich bin ein echter Teamplayer“ passt auf die Altenpflegerin, den Lageristen und die Bürokauffrau. Genau deshalb sagt er über keinen von ihnen etwas.
Floskeln entstehen meist aus Unsicherheit. Man weiß nicht, wie man anfangen soll, also greift man zu dem, was man schon hundertmal gelesen hat. Oder man hat Angst, zu direkt zu klingen, und polstert jeden Satz mit höflichen Füllwörtern. Das Ergebnis ist ein Text, der korrekt ist, aber nicht nach dir klingt.
Die gute Nachricht: Du musst nicht kreativ oder besonders sprachbegabt sein, um Floskeln loszuwerden. Du brauchst nur Beispiele aus deinem eigenen Arbeitsalltag. Die hast du bereits.
Was Studien und Zahlen zeigen
- In der Bamberger Studie von 2017 wollten nur 12,9 Prozent der Top-1.000-Unternehmen gern auf das Anschreiben verzichten, aber 32,4 Prozent der Bewerbenden.Universität Bamberg, Recruiting Trends: Bewerbung der Zukunft (2017)
- 58,1 Prozent der Bewerbenden gaben in derselben Studie an, für das Anschreiben lange oder sehr lange zu brauchen.Universität Bamberg, Recruiting Trends: Bewerbung der Zukunft (2017)
Warum überlesen Personaler Floskeln?
Wer Bewerbungen sichtet, liest sehr viele Anschreiben, oft neben dem eigentlichen Job. Dabei entwickelt man einen Blick für das, was zählt. Sätze, die in jedem zweiten Brief stehen, werden überflogen. Hängen bleibt, was neu ist: ein Name einer Station, eine Zahl, eine Situation, ein Ergebnis.
Dazu kommt: Eigenschaften kann jeder behaupten. Ob jemand wirklich belastbar ist, lässt sich aus dem Wort nicht ablesen. Aus dem Satz „Im Spätdienst betreue ich allein 24 Bewohnerinnen und Bewohner auf zwei Fluren“ schon. Der Leser zieht den Schluss selbst, und ein Schluss, den man selbst zieht, überzeugt mehr als einer, den man vorgesetzt bekommt.
Es gibt noch einen dritten Grund. Seit viele Menschen Texte mit KI-Tools schreiben, tauchen bestimmte Wendungen noch häufiger auf. Wer „Mit großer Leidenschaft“ oder „Darüber hinaus“ liest, denkt schnell an einen generierten Text. Mehr dazu im Beitrag Erkennen Personaler KI-Anschreiben?.
Die häufigsten Floskeln und was du stattdessen schreibst
Die rechte Spalte zeigt keine fertigen Sätze zum Abschreiben, sondern die Richtung. Setz deine eigenen Fakten ein.
| Floskel | Besser so |
|---|---|
| Hiermit bewerbe ich mich als Verkäuferin. | Seit drei Jahren berate ich in einem Schuhgeschäft Familien, die für drei Kinder gleichzeitig Schuhe brauchen. |
| Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen. | Sie suchen jemanden für den Frühdienst ab 6 Uhr. Genau zu dieser Zeit arbeite ich seit Jahren am liebsten. |
| Ich bin teamfähig. | In unserer Kita planen wir Projekte zu dritt, und ich übernehme meist die Absprachen mit den Eltern. |
| Ich bin belastbar. | Im Weihnachtsgeschäft betreue ich zwei Kassen und die Paketannahme gleichzeitig. |
| Ich bin flexibel. | Ich arbeite im Drei-Schicht-System und übernehme bei Ausfällen auch kurzfristig Wochenenddienste. |
| Ich arbeite selbstständig und strukturiert. | Ich organisiere die Terminvergabe für drei Ärztinnen und halte die Wartezeiten im Blick. |
| Ich bin kommunikationsstark. | Ich erkläre Kundinnen am Telefon, warum sich ihre Lieferung verzögert, und finde mit ihnen einen neuen Termin. |
| Ich suche eine neue Herausforderung. | Ich möchte vom Lager in die Disposition wechseln, weil mich die Planung hinter den Touren interessiert. |
| Ihr Unternehmen hat mich sehr angesprochen. | Mir gefällt, dass Ihre Praxis auch Hausbesuche macht. Die habe ich in meiner Ausbildung am liebsten begleitet. |
| Ich bin überzeugt, dass ich Ihr Team bereichern kann. | Satz ganz streichen. Die Belege davor zeigen das bereits. |
| Darüber hinaus verfüge ich über gute EDV-Kenntnisse. | Ich arbeite täglich mit Excel und SAP und erstelle die Monatsübersicht für unsere Abteilung. |
| Zu meinen Stärken zählen Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. | In vier Jahren habe ich keine Schicht verpasst, und neue Kollegen weise ich im Wareneingang ein. |
| Ich bin sehr motiviert und lernbereit. | Den Gabelstaplerschein habe ich im Frühjahr neben der Arbeit gemacht. |
| Über eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen. | Ich freue mich darauf, Sie im Gespräch kennenzulernen. |
| Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. | Streichen. Deine Kontaktdaten stehen im Briefkopf. |
Wie ersetze ich eine Eigenschaft durch einen Beleg?
Das Prinzip ist immer gleich. Du nimmst eine Eigenschaft, die du über dich sagen willst, und fragst dich: Woran würde ein Kollege das merken? Die Antwort ist dein Beleg.
- Schreib die Eigenschaft auf, die du zeigen willst, zum Beispiel „belastbar“.
- Frag dich: In welcher Situation war das im Job wirklich gefordert? Denk an einen normalen Arbeitstag, nicht an eine Heldentat.
- Beschreib die Situation in einem Satz: Wer, was, wie viel, wie oft.
- Füg, wenn möglich, ein Ergebnis hinzu: Was ist dadurch besser geworden, oder was wäre ohne dich liegen geblieben?
- Lösch das Adjektiv. Der Satz funktioniert ohne.
Vorher und nachher in der Pflege
Vorher: „Ich bin empathisch und arbeite gern mit Menschen.“
Nachher: „Wenn eine Bewohnerin mit Demenz abends unruhig wird, setze ich mich zu ihr und sehe mir mit ihr Fotos an, bis sie schlafen kann.“
Der zweite Satz zeigt Einfühlungsvermögen, Geduld und Erfahrung mit Demenz. Und er klingt nach einem echten Menschen. Wer sich als Pflegefachkraft bewirbt, hat viele solcher Momente. Einer reicht.
Vorher und nachher im Einzelhandel
Vorher: „Ich bin kundenorientiert und verkaufsstark.“
Nachher: „Ich kenne unsere Stammkunden beim Namen und lege ihnen neue Ware zurück, wenn ich weiß, dass sie ihnen gefällt.“
Vorher und nachher im Lager
Vorher: „Ich arbeite sorgfältig und zuverlässig.“
Nachher: „Beim Wareneingang gleiche ich jede Lieferung mit dem Lieferschein ab und melde Abweichungen, bevor die Ware eingelagert wird.“
Vorher und nachher im Büro
Vorher: „Ich verfüge über ein ausgeprägtes Organisationstalent.“
Nachher: „Ich plane die Dienstreisen für unser zwölfköpfiges Vertriebsteam, von der Bahnbuchung bis zur Reisekostenabrechnung.“
Vorher und nachher in der Kita
Vorher: „Ich bin kreativ und habe Freude an der Arbeit mit Kindern.“
Nachher: „Mit meiner Vorschulgruppe habe ich ein Hochbeet angelegt. Die Kinder haben gesät, gegossen und im Sommer ihre eigenen Radieschen geerntet.“
Vorher und nachher im Handwerk
Vorher: „Ich bin handwerklich begabt und technisch versiert.“
Nachher: „Ich verlege seit sechs Jahren Elektroinstallationen im Neubau und prüfe die Anlagen vor der Übergabe selbst durch.“
Welche Einstiegssätze funktionieren statt Floskeln?
Der Einstieg ist die Stelle, an der die meisten Floskeln stehen. Dabei ist er der wichtigste Satz im ganzen Brief. Du hast mehrere gute Möglichkeiten, je nachdem, was du am stärksten findest.
- Mit deiner aktuellen Tätigkeit: „Seit fünf Jahren sorge ich als Medizinische Fachangestellte dafür, dass in unserer Hausarztpraxis niemand länger als nötig wartet.“
- Mit einem Bezug zur Anzeige: „Sie suchen eine Fahrerin, die auch mit engen Innenstadtlieferungen klarkommt. Genau die fahre ich seit drei Jahren jeden Tag.“
- Mit deinem Grund für den Wechsel: „Nach acht Jahren im Einzelhandel möchte ich meine Erfahrung im Umgang mit Kunden in den Innendienst mitnehmen.“
- Mit einem Bezug zum Betrieb: „Mein Sohn war drei Jahre in Ihrer Kita, und ich habe erlebt, wie Ihr Team mit Eingewöhnungen umgeht.“
- Mit einem Ergebnis: „In meinem Pflegepraktikum habe ich gemerkt, dass ich genau hier arbeiten will. Deshalb bewerbe ich mich jetzt um den Ausbildungsplatz.“
Welche Schlusssätze klingen natürlich?
Auch am Ende sammeln sich Floskeln. „Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung“ und „Über eine Einladung würde ich mich sehr freuen“ stehen in fast jedem Anschreiben. Das eine ist überflüssig, weil deine Kontaktdaten im Briefkopf stehen. Das andere ist zu vorsichtig.
Ein guter Schluss enthält, was organisatorisch wichtig ist, und endet mit einem klaren Satz. Beispiele, die du anpassen kannst:
- „Ab dem 1. Dezember bin ich verfügbar. Ich freue mich auf das Gespräch mit Ihnen.“
- „Gern komme ich für einen Probetag vorbei, damit Sie sehen, wie ich arbeite.“
- „Meine Kündigungsfrist beträgt vier Wochen. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.“
- „Im Gespräch erzähle ich Ihnen gern mehr über die Umstellung, die ich in unserem Lager begleitet habe.“
Stellenmappe schreibt dein Anschreiben aus deinen eigenen Angaben und prüft es vor dem Download mit dem Menschlich-Check auf Floskeln und KI-Wendungen. Die Vorschau ist kostenlos.
Anschreiben ohne FloskelnFüllwörter und Satzanfänge, die du streichen kannst
Neben ganzen Floskelsätzen gibt es kleine Wörter, die Texte aufblähen. Sie klingen förmlich, tragen aber nichts bei. Streich sie, und prüf, ob der Satz noch funktioniert. Meistens wird er besser.
- „Darüber hinaus“, „Des Weiteren“, „Zudem“, „Außerdem“ am Satzanfang: Fang lieber direkt mit dem Inhalt an.
- „Hiermit“, „somit“, „diesbezüglich“: Behördendeutsch, das niemand im Alltag sagt.
- „Sehr“, „äußerst“, „besonders“, „stets“: Verstärker, die nichts beweisen.
- „Ich denke“, „ich glaube“, „ich würde sagen“: Du weißt es. Also schreib es.
- „Gerne“ in jedem zweiten Satz: einmal reicht.
- Doppelte Aussagen wie „selbstständig und eigenverantwortlich“ oder „zuverlässig und gewissenhaft“: Nimm eins, oder besser, zeig es.
Wie klingt ein ganzer Absatz ohne Floskeln?
Einzelne Sätze zu verbessern ist ein Anfang. Spannender ist, wie sich ein ganzer Absatz verändert. Hier das Beispiel einer fiktiven Bewerberin für eine Stelle als Bürokauffrau in einem Handwerksbetrieb.
Vorher: „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen. Ich bin eine teamfähige, belastbare und strukturierte Mitarbeiterin mit sehr guten EDV-Kenntnissen. Darüber hinaus zeichne ich mich durch ein hohes Maß an Eigeninitiative aus. Ich bin überzeugt, dass ich Ihr Team optimal ergänzen kann.“
Nachher: „Seit vier Jahren halte ich in einem Dachdeckerbetrieb mit 15 Mitarbeitern das Büro am Laufen. Ich schreibe Angebote und Rechnungen, plane die Einsätze der Kolonnen und nehme Anrufe von Kunden an, wenn es durchs Dach tropft. Als unser altes Abrechnungsprogramm abgelöst wurde, habe ich die Kundendaten übertragen und die Kollegen eingewiesen.“
Der zweite Absatz ist kaum länger, zeigt aber Teamarbeit, Belastbarkeit, Struktur, Softwarekenntnisse und Eigeninitiative. Nur eben ohne diese Wörter. Wer sich als Bürokauffrau bewirbt, kann genau so vorgehen.
Vorlage: Anschreiben ohne Floskeln
Diese Vorlage zwingt dich zu Belegen, weil jeder Platzhalter nach einer konkreten Situation fragt. Ersetz die Klammern, und lösch jeden Satz, zu dem dir nichts Echtes einfällt.
Betreff: Bewerbung als [Stelle aus der Anzeige], Kennziffer [Nummer]
Sehr geehrte/r [Frau/Herr Nachname], [Einstieg: Was machst du gerade, und welcher Teil davon passt am besten zur Stelle?] [Anforderung 1 aus der Anzeige, in deinen Worten]: [Situation aus deinem Alltag, mit wer, was, wie oft oder wie viel]. [Anforderung 2]: [Aufgabe, für die du zuständig bist, oder Programm, mit dem du täglich arbeitest]. [Anforderung 3]: [Ergebnis oder Veränderung, an der du beteiligt warst]. [Ein Satz, warum genau dieser Betrieb: etwas, das nur auf ihn zutrifft.] [Eintrittstermin oder Kündigungsfrist.] Ich freue mich darauf, Sie im Gespräch kennenzulernen. Mit freundlichen Grüßen [Dein Name]
Checkliste: Ist dein Anschreiben floskelfrei?
- Lies jeden Satz und frag dich: Könnte das auch jemand anderes geschrieben haben? Wenn ja, ersetz ihn durch ein Beispiel.
- Zähl die Eigenschaftswörter. Jedes, das ohne Beleg dasteht, fliegt raus oder bekommt einen.
- Prüf den ersten Satz: Steht da etwas über dich, oder nur, dass du dich bewirbst?
- Prüf den letzten Satz: Klingt er selbstbewusst, ohne „würde“ und „hoffe“?
- Such nach „Darüber hinaus“, „Des Weiteren“ und „Zudem“ und streich sie.
- Lies den Text laut. Überall, wo du stockst oder dich fremd fühlst, stimmt etwas nicht.
- Vergleich mit der Anzeige: Hat jede wichtige Anforderung einen konkreten Satz?
Und wenn mir einfach keine Beispiele einfallen?
Das ist normal, gerade wenn du lange im selben Job warst. Was für dich Alltag ist, kommt dir nicht erwähnenswert vor. Ein paar Fragen helfen beim Suchen:
- Wofür fragen dich Kollegen um Hilfe?
- Was würde liegen bleiben, wenn du zwei Wochen im Urlaub bist?
- Wofür hast du schon einmal Lob bekommen, von Chefin, Kunden, Patienten oder Eltern?
- Was hast du eingeführt, verbessert oder jemandem beigebracht?
- Welche Zahlen kennst du aus deinem Job: Anzahl Bewohner, Kassen, Touren, Kinder, Tickets pro Tag?
Wie geht es weiter?
Wenn du die Floskeln los bist, lohnt ein Blick auf den gesamten Aufbau. Der Beitrag Anschreiben schreiben zeigt Schritt für Schritt, wie ein Anschreiben nach DIN 5008 aussieht, mit vollständigem Beispiel. Und wenn du noch nach der passenden Stelle suchst, findest du in der Jobsuche alle Anzeigen der Bundesagentur für Arbeit.
Häufige Fragen
Ist „Mit freundlichen Grüßen“ eine Floskel?
Darf ich Eigenschaften wie teamfähig gar nicht mehr nennen?
Wie fange ich ein Anschreiben ohne „Hiermit bewerbe ich mich“ an?
Wird mein Anschreiben ohne Floskeln nicht zu kurz?
Welche Floskeln sind am schlimmsten?
Ist eine Zahl im Anschreiben immer besser als ein Adjektiv?
Quellen
Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Stand: 26. September 2026.
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Anschreiben ohne Floskeln